Medikamente in der Zahnanästhesie

Historische Betrachtung der Anästhesie im Bereich der Mundhöhle von 1919 (Medikamente)

Nach dem übereinstimmenden Urteil fast aller Fachleute besitzen wir in dem Novokain-Suprareningemisch ein fast ideales Anästhetikum. Seine geringe Giftigkeit, seine geringen allgemeinen Nebenwirkungen, die überdies bei den geringen in der Zahnheilkunde nötigen Dosen noch viel weniger ins Gewicht fallen, lassen es vorläufig als unser bestes Medikament erscheinen. Es ist daher im folgenden nur dieses eine Anästhetikum der Technik der Lokalanästhesie zugrunde gelegt.
Seine Anwendungsart ist am besten entweder die Ampullenform oder die der Tabletten. Ist erstere gewiß die bequemste, so ist doch die letztere in jeder Hinsicht die allersicherste. Es bezieht sich dies erstens auf die Haltbarkeit des Suprareninzusatzes, die in der festen Tablette eine größere ist als in der Lösung der Ampulle, und zweitens auf die sicher zu erzielende Sterilität der Injektionsflüssigkeit, die eine Conditio sine qua non für die Applikation des Anästhetikums ist. Auf dieses letztere Postulat kann nicht eindringlich genug hingewiesen werden. Sterilität der Lösung und des Instrumentars sind um so präziser zu beobachten, als ja unser Operationsgebiet, die Mundhöhlenschleimhaut, nur keimarm gemacht werden kann.
Als die besten Fabrikate können für die Ampullen jene der Höchster Farbwerke und jene von Dr. Heisler gelten. Beide werden seit einiger Zeit mit einem Zusatz von Kaliumsulfat versehen, der eine Vertiefung der Anästhesie bewirken soll.
Bezüglich des Gebrauches der Ampullen, die im allgemeinen eine 2%ige Novokainlösung enthalten, geht man am besten nach den Weisungen Fischers vor. Die Ampullen werden nach gründlicher Reinigung mit Lysol- oder Karbollösung in 70% Alkohol aufbewahrt. Aus diesem wird die Ampulle bei Bedarf mit einer sterilen Pinzette entnommen und nun wird, ohne daß eine Feile zum Anritzen verwendet würde, der Hals der Ampulle mit einem sterilen Tupfer gefaßt und abgebrochen. Dann kann mit der sterilen Nadel die Flüssigkeit in die sterile Spritze aufgesaugt werden.
Die Verwendung der Ampullen ist nur solange möglich, als das darin enthaltene Suprarenin oder Adrenalin unzersetzt ist. Glücklicherweise haben wir einen ausgezeichneten Indikator für die Brauchbarkeit der Lösung in deren Farbe. Die Zersetzung des Suprarenins bedingt nämlich sofort eine Verfärbung der zunächst farblosen Flüssigkeit ins Gelbe, später Braune. Durch Aufbewahren an einem kühlen, dunklen Ort kann die Haltbarkeit der Ampullen sehr verlängert werden.